Hmm, wir können nicht finden, was du suchst...

Gib nicht auf! Überprüfe die Schreibweise oder versuche etwas weniger Spezifisches.

Suche
Cities & Cycling

Taco Carlier: Städte sind für Menschen da, nicht Autos. Es ist Zeit, Berlin vom Verkehrsinfarkt zu befreien.

Taco Carlier: Städte sind für Menschen da, nicht Autos. Es ist Zeit, Berlin vom Verkehrsinfarkt zu befreien.

Mein Glaube an eine autofreie urbane Zukunft ist kein Geheimnis. Dass unsere Städte durch das Fahrrad angetrieben werden, ist eine Idee, mit der ich und mein Bruder Ties aufgewachsen sind – und sie ist viel zu gut, um daran zu rütteln.

Der Klang von Fahrradklingeln, die unser tägliches Hin und Her begleiten. Das Einreihen in die morgendliche Parade der Pendler auf zwei Rädern. Das Transportieren der Kinder, Pflanzen, Lebensmittel durch die Stadt. ­Diese Momente prägen unser Leben in den Niederlanden von klein auf. Aber ich entdeckte bald, dass die niederländischen Radfahrgewohnheiten alles andere als universell sind. Das Auto regierte weltweit immer noch als König in den Städten. Mein Traum von einer Zukunft voller Fahrräder wurde im Smog erstickt.

Seitdem habe ich es zu meiner Mission gemacht, den Weg für eine Zukunft zu ebnen, in der unsere Städte für Menschen gebaut sind, nicht für Autos. Unser Ziel bei VanMoof ist simpel: Wir möchten die nächste Milliarde Menschen auf den Fahrradsattel bringen, um sicherere, grünere und saubere Städte für alle zu schaffen. Und um das zu erreichen, müssen wir bei jeder Gelegenheit auf Veränderungen drängen. Deshalb unterstütze ich die Berliner Autofrei-Initiative, die 20.000 Unterschriften von Berliner*innen sammelt, um Straßen innerhalb des S-Bahn-Rings in autoreduzierte Bereiche zu verwandeln.

Bei meinen Besuchen in Berlin war ich schockiert über die fehlende Infrastruktur für Fahrräder. Wie konnte die deutsche Hauptstadt, die oft als ähnlich innovativ wie Amsterdam angesehen wird, so sehr auf das Auto angewiesen bleiben? Die Initiative „Berlin autofrei“ ist eine Chance, das zu ändern. Sie ist ein entscheidender Schritt in Richtung eines grüneren und sauberen Berlins. Die Initiative haucht unserer Mission, Städte vom Verkehrskollaps zu befreien, Leben ein und bringt Pläne für ein besseres Stadtleben auf den Weg.

Die Lösung? Autos stehen lassen.
Im Laufe der Pandemie lichteten sich die Abgase in unseren Städten. Menschen geben ihre Autos auf und entscheiden sich häufiger als je zuvor für Fahrräder und E-Bikes. Die Luft ist sauberer und unsere Sicht klarer – die Bewegung hat bereits begonnen. Dennoch stellt sich die Frage: Wie können wir die erzielten Fortschritte weiter vorantreiben – jetzt, wo unsere Gesellschaft langsam in den normalen Alltag zurück geht?

Nun, die Antwort ist klar. Das Beste, was wir tun können, ist die Nutzung von Privatwagen in Innenstädten zu reduzieren und letztendlich zu eliminieren. „Berlin autofrei“ hält dafür ein überzeugendes Plädoyer. Die Reduzierung des Autoverkehrs in der Hauptstadt, so argumentiert die Initiative, sorge für eine faire Nutzung des öffentlichen Raums für alle Verkehrsmittel und führe zu einer nachhaltigeren, sichereren Stadt mit mehr Lebensqualität und Bürgernähe. Davon profitieren wir selbst und unser Planet. Aber lass mich versuchen, dies mit einem Bild zu verdeutlichen.

Stell dir vor: Autos und ihre Parkplätze sind nicht mehr in die Straßen gepfercht. Stattdessen gibt es Fahrradspuren, verbreitete Bürgersteige und sichere Kreuzungen, die Stadtteile für jeden in unserer Gesellschaft zugänglich machen. Üppiges Grün und Pflanzenbeete säumen die Bürgersteige, Straßenverkäufer und Caféterrassen ergießen sich auf die Straßen. Spaziergänger, Jogger und Radfahrer nutzen den zurückgewonnenen Raum – Menschen werden in dieser Stadt mehr geschätzt als Autos. Die Luft fühlt sich ein wenig sauberer an, und statt mit dem dumpfen Dröhnen des Verkehrs, ist die Stadt erfüllt von Menschenstimmen, Fahrradklingeln und Vogelgezwitscher. Okay, und dem gelegentlichen Heulen einer Sirene – wir sind schließlich immer noch mitten in Berlin.

Städtischer Raum ist kostbar. Warum ihn an Autos verschwenden?
Autos verschmutzen nicht nur die Luft, die wir in unsere Lungen einatmen – sie nehmen auch einen riesigen Teil unseres begrenzten Raums in Städten auf der ganzen Welt ein. In Los Angeles zum Beispiel übersteigt die Fläche für Parkplätze die gesamte Landfläche von Manhattan – genug Platz, um fast eine Million Menschen mehr unterzubringen.

In London sind SUVs, die umweltschädlichsten und platzfressendsten aller Autos, gerade in den Gegenden reichlich vorhanden, in denen der Straßenraum am knappsten ist. In Berlin werden 58 Prozent des Verkehrsraums von Autos genutzt und nur 3 Prozent von Fahrrädern. Das bedeutet: Autos haben 19 Mal mehr Platz als Fahrräder. Dabei werden 15 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt und nur 30 Prozent mit dem Auto.

Und während ein geparktes Auto in der deutschen Metropole zehn Quadratmeter Platz blockiert, bewegt es sich durchschnittlich 23 Stunden pro Tag nicht einmal. Wir sollten überdenken, wofür – oder für wen – unsere Städte gebaut sind.

Stell dir vor, alle Autos, die du in deiner Stadt siehst, wären nicht da. Was käme an ihre Stelle? Bikeparks, Spielplätze, Blumen- und Pflanzenbeete oder einfach ... mehr Platz. Einige Städte haben bereits Schritte in die richtige Richtung unternommen. Paris' verkehrsreichster Verkehrsknotenpunkt, die Champs-Élysées, soll in einen „außergewöhnlichen Garten“ verwandelt werden und Barcelona hat sich verpflichtet, eine von drei Straßen im Stadtteil Eixample in grüne, autofreie öffentliche Räume zu verwandeln. Berlin selbst gab während der Pandemie 27 Kilometern Pop-up-Radwegen ein neues Zuhause. Warum hier aufhören? Die „Autofrei-Petition“ ist ein Vorstoß für die deutsche Hauptstadt. Ich stehe hinter ihr und habe keine Angst zu kämpfen.

Ein Plan für den Wandel
Das Ziel der Petition „Berlin autofrei“ mag auf den ersten Blick radikal erscheinen. Tatsächlich ist es jedoch eine realistische und sogar unvermeidliche Möglichkeit, nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Städten Veränderungen herbeizuführen. Historischer Wandel geht vom Menschen aus – und er muss immer mit jemandem beginnen. Aus einer Unterschrift werden Tausende, und Tausende verlangen, gehört zu werden.

VanMoofs Heimatstadt Amsterdam ist ein wichtiger Ort, um für diesen Umbruch zu werben. Heute fahren 40 Prozent der Amsterdamer mit dem Fahrrad. Aber der Status der Metropole als Fahrradhauptstadt der Welt, war nicht immer in Stein gemeißelt. Dystopische Zeichnungen aus dem Jahr 1954 enthüllen Pläne, Amsterdams Grachten zuzuschütten und eine Stadt zu schaffen, die vom Auto abhängig und um dieses herum strukturiert ist. Glücklicherweise griffen die Bürger ein – die fahrradfreundliche Stadt, die wir heute sehen, wurde aus einer Bewegung nach der Ölkrise der 1970er-Jahre geboren, nachdem die Radfahrergewerkschaft auf die Straße gegangen war.

Das Drängen auf einen Wandel in der Gestaltung unserer Städte gab es bereits, und wird es wieder geben. Was in Berlin passiert, ähnlich wie in Amsterdam in den 1970ern, hat das Potenzial, eine Blaupause für alle Städte der Zukunft zu werden. Wenn es um Veränderung geht, konzentriere ich mich nicht auf das, was wir verlieren, sondern auf das, was wir gewinnen. Und aus meiner Sicht, sieht das nach einer ganzen Menge aus.

Abbildungen von der in Berlin lebenden Künstlerin Martina Paukova. Erfahren Sie hier mehr über Ihre Arbeit.

Taco Carlier

Über diesen Autor

Taco is co-founder of VanMoof, and the original Bike Hunter. Based at our Amsterdam HQ, he’s constantly dreaming up new ways to share Amsterdam’s biking culture with the rest of the world.